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Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen...

Neil Armstrong am 21. Juli 1969 auf dem Mond

Die Raumfahrt der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war zutiefst politisch motiviert, denn mit der ersten Weltraumfahrt des Russen Juri Gagarin im April 1961 begann ein Wettlauf ins All.) Am 25. Mai heizt der US-Präsident John F. Kennedy diesen erst richtig an, als er die Auffassung vertritt, Ende des Jahrzehnts müsse die US-Raumfahrt eine sichere Mondlandung durchführen.

Knapp sechs Jahre nach der Ermordung des Präsidenten und zweieinhalb Jahre nach dem Tod dreier Astronauten gelingt die Landung auf dem Mond.– Wie kann die Bilanz dieses großen Ereignisses heute aussehen?

Eine Beitrag von Christian Baur.
Autor: Christian Baur
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Die USA und das dramatische Jahr 1968 – die erste Mondumkreisung
Das 1961 begonnene 30-Milliarden-Dollar-Projekt der NASA, an dem zeitweilig bis zu 400.000 Menschen mitarbeiten, erzielt – nach der Katastrophe von Apollo 1 vom 27. Januar 1967 – am 24. Dezember 1968 einen ersten Höhepunkt, als drei Astronauten zum ersten Mal die Mondumlaufbahn erreichen.

Damals gibt es auch eine Fernsehübertragung des Ereignisses, wobei die Raumfahrer die ersten Zeilen der Schöpfungsgeschichte als Weihnachtsbotschaft vorlesen, auch den Satz „Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.“

Doch dieser Erfolg und seine christliche Verbrämung täuschen darüber hinweg, daß das Jahr 1968 in den USA noch durch ganz andere Geschehen geprägt ist. Damals überschlagen sich die Ereignisse: Martin Luther King wird ermordet, Robert F. Kennedy erschossen, die Tet-Offensive der Vietcong, der Anfang vom Endes des Vietnamkriegs, beginnt. Es gibt landesweite Protestaktionen unterschiedlicher Gruppierungen gegen den Krieg.

Gleichzeitig fordert die indianische Organisation in Nordamerika erstmals die eigenen Rechte ein. Gegen den Vietnamkrieg demonstriert auch die im Grunde unpolitische Hippiebewegung, auf die das Festival in Woodstock mit ca. 400.000 Teilnehmern zurückgeht. Kurzum, es gärt in der amerikanischen Gesellschaft. Ist das der Nährboden für große Taten, zu denen viele die Mondfahrt zählen?
Der „riesige Schritt für die Menschheit“ und die Situation der Astronauten „danach“ Dies kann bejaht, muß aber zugleich kritisch gesehen werden, stellt sie doch eine Flucht nach außen dar. Konnte schließlich durch die menschliche Leistung der Mondlandung am 21. Juli 1969, welche durch einen immensen technischen Fortschritt – diesen „riesigen Schritt für die Menschheit“ – begleitet war, irgendeines der drängenden Probleme weltweit, zum Beispiel der Rassismus oder das Auseinanderfallen der Gesellschaft zwischen Establishment und anarchischem Freiheitskult gemindert oder gar gelöst werden?
Natürlich provoziert eine solche „dumme Frage“ die Gegenfrage: Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Darauf gleich die nächste Frage: Hat dies wirklich gar nichts miteinander zu tun?
Nun, es gibt viele Einrichtungen unserer westlichen Gesellschaft, die die Frage nach einem tieferen Nutzen ausschließen möchten und ihren Zweck allein in sich selbst zu tragen scheinen bzw. vor allem die menschlichen Wünsche nach Spannung, Ablenkung und Zerstreuung bedienen.

Dazu gehören verschiedene Sportarten, die ganz selbstverständlich das Todesrisiko einkalkulieren und die mit viel Geld zu tun haben. Es erübrigt sich, einzelne Beispiele zu nennen. Gemeinhin wird angenommen, jede ethische Debatte ihres Sinns sei völlig fehl am Platz. Genügt es nicht, daß die Mehrheit der menschlichen Gesellschaft es so haben will?
In diesem Zusammenhang sind die psychischen Konsequenzen aus der Mondfahrt, mit denen die verschiedenen Astronauten in der Zeit danach kämpfen mußten, sehr aufschlußreich. Vielleicht gibt es ja doch keine einseitigen physisch-technischen Leistungen, die vom übrigen Menschsein ohne Folgen abgetrennt werden können!

Die Ergebnisse vieler Interviews mit ehemaligen Astronauten, die der Amerikaner Andrew Smith in seinem 2005 publizierten Buch „Moondust“ (1) sammelte, sprechen für sich:
„Dr. Edwin Aldrin, Offizier der Luftwaffe, Kampfflieger im Koreakrieg, Absolvent der Eliteuniversität MIT und Musterschüler der Militärakademie Westpoint, funktionierte vor seiner Mondlandung wie eine Maschine. Sein Puls stieg selbst beim Start der 3000 Tonnen schweren Saturn-V-Rakete nicht über 110. Doch dann stand er am 20. Juli 1969 als zweiter Mensch im Mondstaub, fiel auf die Knie und betete. Auf der Rückreise schien etwas in ihm zu zerbrechen.

Kaum aus der Quarantäne, mußte er mit seiner Frau und den Familien seiner beiden Apollo-11-Kollegen Michael Collins und Neil Armstrong auf eine […] Propagandatour zu den Staatsoberhäuptern und Prominenten der Welt. Zwischen den Visiten bei der britischen Queen und dem Schah von Persien zerbrach seine Ehe.

An den Banketten betäubte er sich mit Alkohol. Dann kamen Depression, Entzug, psychiatrische Klinik. Er heiratete seine Geliebte, trennte sich, versuchte eine Rückkehr zu Frau und Kindern und scheiterte erneut. Erst Ende der Achtzigerjahre kam er wieder auf die Beine.“

Es wird auch über die übrigen elf Männer berichtet, die den Mond betraten. Ihre Tollkühnheit schien sie, zurückgekehrt auf den Erdboden, verlassen zu haben: „Ein Teil von ihnen wurde zu Alkoholikern, andere zogen sich in vollkommenes Schweigen zurück oder stürzten sich in Affären. Viele ließen ihre Frauen und Kinder im Stich. Einige, um eine Art Guru zu werden, andere, um Rettung zu finden in einem tiefen Glauben.“ (2)

Zum Glauben fand Charles Duke, der Pilot der Mondlandefähre von Apollo 16, und wird von einigen prompt als „religiöser Schwärmer“ bezeichnet. Doch seine Vorgeschichte ist ähnlich wie bei den Kollegen. Nach der Mondreise war aus dem ruhigen und humorvollen Vorzeigepiloten ein aggressiver Mann geworden.

„Dukes Frau erzählte Smith, wie dieser nach der Rückkehr vom Mond seine Familie terrorisierte, ständig trank, zwischen Gefühlskälte und Wutanfällen schwankte, bis sie Ende der Siebzigerjahre kurz vor dem Selbstmord stand.“ Er hatte dann, beeinflußt durch seine Frau, ein spirituelles Erlebnis und sagte später in dem Film „Im Schatten des Mondes“: „Auf dem Mond war ich nur drei Tage – und dies war ein großartiges Erlebnis –, meinen Weg zu Gott werde ich immer gehen.“
Die medial-kollektive Heldenverehrung und der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre – in die Realität des Alltags Offenbar war dieser „Weg zu Gott“ äußerst mühsam und erst nach der Überwindung vieler Hindernisse zu finden, denn diese phantastisch durchtrainierten Nasa-Offiziere waren auf ihre Mond-Mission nur physisch-technisch vorbereitet und dann – nach ihrer Rückkehr – nicht wirklich darauf gefaßt, daß sie nicht nur als Helden, sondern gar als „Götter“ angesehen und in einen gewaltigen medialen Rummel hineingezogen wurden.

Statt auf dem Mond nach der ersten Landung einsam zu sterben – der US-Präsident Richard Nixon hatte die Bevölkerung der USA bereits darauf eingestimmt, die Chancen für die Rückkehr der Astronauten lägen vielleicht bei „60 %“ – wurde also jetzt anstelle des Todes der „Übermensch“ geboren, der rauschhaft in das Leben eintaucht, scheinbar eine psychische Schwerelosigkeit erlebt und glaubt, darin verharren zu können.

Um so schlimmer war der Wiedereintritt in die Schwere der Erdatmosphäre bzw. des Erdenalltags, denn dieser ließ sich schon deshalb nicht vermeiden, da der Verdienst der Astronauten – mit 17.000 $ pro Jahr – eher bescheiden war. „Auf ihrem Weg zum Mond erhielten diese Männer den normalen ‚Ansatz für Dienstreisen‘ von acht Dollar pro Tag abzüglich der Unterkunft – dafür sei ja gesorgt.“ (3)

Dies kann man nun als ungerecht und unangemessen bezeichnen, aber es hilft nichts: Nur wenigen Menschen ist es gegönnt, frei von materiellen Nöten durchs Leben zu gehen, wobei dies meist ohnehin nur die eine Seite der Medaille ist. Jedenfalls wurde von den Astronauten erwartet, daß sie – nachdem sie den Rausch, „zu sein wie Gott“, gekostet hatten – sich von heute auf morgen wieder als normale und brave Bürger verhalten würden. Das ging, von wenigen Ausnahmen abgesehen, weitgehend schief.

Hier ist nun die Frage berechtigt, ob es sich denn nach dem großen technisch-materiellen Erfolg der Mondlandungen – also diesem „riesigen Schritt der Menschheit“ – nicht ähnlich verhielt und verhält wie es die Biographien der Astronauten spiegeln?

Wenn wir realistisch sind, hat dieser „Schritt“ zwar Ruhm, Ehre, nationalen Stolz – und technischen Fortschritt – gebracht, doch nichts, womit irgendwelche Traumata geheilt werden könnten: etwa das Trauma des verlorenen Vietnam-Krieges, der gescheiterten Operation Eagle Claw in Persien (April 1980), das der Challenger-Katastrophe mit dem Tod von sieben Astronauten (Januar 1986), das vom 11. September, das des Irak-Krieges oder gar der aktuellen Finanzkrise.

Große Leistungen werden zwar immer im stolzen, medial aufbereiteten Rampenlicht der Staaten und der Öffentlichkeit stehen, doch wirkliche Hilfen für die Einheit der Nation oder für das Leben des einzelnen können sie nicht sein. Dazu gehören keine großen, sondern viele kleine Schritte.

Ein wirklich großer Schritt für den Menschen wäre es, hinter der Notwendigkeit für die Astronauten, die angemaßte Größe nach der Rückkehr vom Mond wieder abzulegen und sich ins menschliche Leben einzugliedern, das für alle Menschen verbindliche Gesetz des Stirb-und-Werde, das Gesetz ständiger Bewegung und Entwicklung zu erkennen. Niemand kann sich ungestraft auf dem ausruhen, was er einmal erreicht hat!

Über die göttlichen Gesetze schreibt Abd-ru-shin in der Gralsbotschaft: „Lernet die Gesetze in der Schöpfung kennen. Dazu verhilft Euch aber keine Erdenklugheit, nicht das kleine Wissen technischer Beobachtung, so Karges reicht nicht aus für den Weg, welchen Eure Seele nehmen muß! Ihr müßt den Blick über die Erde weit hinaus erheben und erkennen, wohin Euch der Weg führt nach diesem Erdensein, damit Euch darin gleichzeitig auch das Bewußtsein dafür wird, warum und auch zu welchem Zwecke Ihr auf dieser Erde seid.“ (4)

Mit dieser Feststellung ist das Thema der Mondlandung vom Juli 1969 scheinbar vollständig verlassen worden. Doch für den Menschen genügt es nicht, auf die der Erde abgewandte Seite des Mondes zu schauen oder im Mondstaub herumzugehen, um Neues zu erkennen, das wirklich Neue ist das vergessene und verdrängte Alte: Könnten wir doch „wenigstens“ die ersten Zeilen der Schöpfungsgeschichte verstehen, die die Astronauten an Weihnachten 1968 im All lasen, vor allem den Satz „Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht!“

Literatur:

(1) Deutsche Ausgabe: Andrew Smith, Kurt Beginnen und Sigrid Kuntz, Moonwalker: Wie der Mond das Leben der Apollo-Astronauten veränderte. Frankfurt 2009
(2) + (3) Oliver Zihlmann, Der lange Schatten des Mondes: www.sonntagszeitung.ch
(4) Abd-ru-shin, Im Lichte der Wahrheit, Gralsbotschaft. Stuttgart 1990