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Die Flucht ins Gold, die Jagd nach „dem schnellen Glück“

Was treibt den Menschen zu dem jetzigen verzweifelten „Run“ aufs Gold?

Derzeit ereignet sich – angesichts des schwachen Euro – eine nie dagewesene Flucht ins Gold und läßt den Goldpreis fieberhaft ansteigen. Kann Gold die Zukunftsängste des einzelnen beruhigen, macht es gar glücklich? Welche menschlichen Verhaltensweisen stehen dahinter?

Ein Beitrag von Dr. Christian Baur.
Autor: Dr. Christian Baur
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Um das eigene ideale Streben zu betonen, wird oft gesagt, Gold könne nicht wirklich glücklich machen, und doch möchte man gerne etwas davon haben. Es fragt sich nur, zu welchem Preis es zu bekommen ist. Schon die Märchen wissen, daß es nicht kostenlos zu gewinnen ist, sondern einen Einsatz erfordert. Eine der zentralen Geschichten, die vom Gold handelt, ist das Grimmsche Märchen Rumpelstilzchen:
Das Märchen Rumpelstilzchen „Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Nun traf es sich, daß er mit dem König zu sprechen kam, und um sich ein Ansehen zu geben, sagte er zu ihm: ‚Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.‘ Der König sprach zum Müller: ‚Das ist eine Kunst, die mir wohl gefällt, wenn deine Tochter so geschickt ist, wie du sagst, so bring sie morgen in mein Schloß, da will ich sie auf die Probe stellen.‘“ Nun hatte der Müller gewaltig angegeben, denn als seine Tochter eine Kammer voll von Stroh zu Gold spinnen sollte, saß sie nur hilflos und weinend da.

Doch dann kam ein kleines Männchen, das anbot, die Arbeit auszuführen, und zwar gegen ein Halsband, einen Ring und schließlich, beim dritten Mal, für das erste Kind, das sie später als Königin dem König gebären würde. Es kam, wie es kommen mußte: Der König hatte drei Kammern voll von Gold, die Müllerstochter aber ward Königin und bekam einen Sohn. Den wollte das Männchen bald abholen.

Nun war der Jammer groß. Die Königin bot allen möglichen Reichtum, „… aber das Männchen sprach: ‚Nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt.‘ Da fing die Königin so an zu jammern und zu weinen, daß das Männchen Mitleiden mit ihr hatte: ‚Drei Tage will ich dir Zeit lassen‘, sprach es, ‚wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten.‘“ Die Königin kam in große Not, denn sie konnte den Namen des Männchens nicht erraten, bis sich das Männchen, das Rumpelstilzchen hieß, selbst verriet. Denn es freute sich zu früh, tanzte in einem verborgenen Winkel des Waldes um ein Feuer herum und schrie: „Ach, wie gut ist, daß niemand weiß, daß ich Rumpelstilzchen heiß!“

Dies hörte ein Bote der Königin und erzählte ihr den Vorfall. Damit war der Name entschlüsselt und das Königskind gerettet. Rumpelstilzchen aber schrie zur Königin: „‚Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt‘ […] und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei.“

Helfen uns die Weisheit des Märchens und andere Mythen weiter? Die Geschichte lehrt, daß das Herstellen von Gold – gleichfalls die Hausse bestimmter Aktien – offenbar nicht ohne Magie, nicht ohne teuflisch-luziferische Beihilfe geschieht. Wer meint, dies entspreche nur dem üblichen Aberglauben des Märchens sollte sich erst einmal die Wurzeln der menschlichen Jagd nach dem schnellen Glück bewußt machen. Schon die luziferische Verführung des Sündenfalls – „Ihr werdet sein wie Gott“ – ist eine der Verheißungen des schnellen Glücks, die gerne aufgegriffen wird.

Angeblich geht es zunächst nur um die Erkenntnis bzw. um das Genießen der Frucht vom Baum der Erkenntnis, dies – nach göttlicher Warnung – bei vollem Todesrisiko. Seither ist offenbar das Risiko etwas zu verlieren – und sei es auch „nur“ die Gotteskindschaft und das wahre Menschsein – eine wesentliche Motivation in unserem Leben.

Auch das Märchen spricht vom Risiko, von einer Verpfändung. Es scheint zwar nur das erste Kind in Gefahr zu sein, doch nicht nur dies ist gemeint, genauso betrifft es die eigene Kindlichkeit, die aufs Spiel gesetzt wird.

Daß der Mensch sein Leben riskiert, um zu Ruhm und Reichtum – Geld, Gold und alles, was sich dafür kaufen läßt – zu gelangen, entspricht nicht dem göttlichen Plan vom menschlichen Leben. Doch, was kümmert uns das, solange alles gut geht.

Vor allem scheinen diejenigen besondere Erfolge zu haben, die nicht allein das eigene Leben, sondern fremdes Gut, Papiere, Investments etc. – in der Folge auch deren Leben – riskieren. Und doch muß jeder – wie im Märchen – eines Tages dafür Rechenschaft ablegen, bzw. den erforderlichen Ausgleich herstellen.
Wer oder was steht hinter der Jagd nach dem schnellen Glück? Wer meint, es ginge so leicht wie im Märchen, sich aus der Schlinge zu ziehen – bloß den Namen des hilfreichen Knechts zu erraten –, täuscht sich. Allein den richtigen Namen zu kennen, ist in Wirklichkeit eine kaum zu lösende Aufgabe, denn wer denkt schon in unserer ach so aufgeklärten Welt an Beelzebub, Deiwel, Diabolus, an Mephisto, Pferdefuß, Satan, Teifel, Urian, Verderber, Verführer, Widersacher oder gar an Luzifer?

Sind dies nicht alles nur im biblischen und dann im mittelalterlichen Glauben verankerte Mythen, Bilder für etwas in unserem Inneren, das wir nicht ganz verstehen? Wie sollten wir denn von etwas abhängig werden können, dessen Existenz gar nicht sicher ist?!

Und doch wird auch heute angesichts abnormer Verbrechen immer wieder nach „dem Bösen in uns“ gefragt, und die philosophische Antwort mag lauten: „Die Reflexion über das Böse ist eine Auskunftsmöglichkeit über uns selber.“ (1)

Die Schwierigkeit einer wirklichen Erkenntnis besteht ja darin, daß immer nur nach der Spitze des Eisbergs – im Falle von furchtbaren Verbrechen nach dem Bösen – gefragt wird, nicht nach seinem Netzwerk, seinem völlig unsichtbaren, namenlosen Prinzip, das unerkannt im Alltag anzutreffen ist!

Wenn man zum Beispiel jetzt, nachdem die erste Spekulationsblase am Immobilienmarkt geplatzt ist, nach Schuldigen fragt, vermag man sie kaum zu finden, weil das System bisher so erfolgreich, fast perfekt gearbeitet hat und sich keiner der Beteiligten irgendeiner Schuld – einem zu großen Risiko zu Lasten anderer – bewußt war und ist. Nur wenige sind seither ausgestiegen: Die Mehrzahl möchte den bisherigen Schaden durch „sicherere Spekulationen“ ausgleichen oder gar neue Profite machen. Es ist doch so schön, ohne harte Arbeit reich zu werden, das schnelle materielle Glück zu fassen!
Das Gesetz von „Geben und Nehmen“ Es sind sich nur wenige dessen bewußt, daß das einseitige Nehmen – ohne gleichwertige Gegengabe –, das frühere kapitalistische Ausbeuten, ein zentrales Naturgesetz verletzt, das Gesetz von Geben und Nehmen. Dieses kosmische Gesetz ist im körperlichen Gleichgewichtsempfinden des Menschen faßbar oder als Harmoniegesetz im Makrokosmos zu finden. Leider beachtet es der Mensch selten gegenüber dem Nächsten und kaum gegenüber sich selbst, sobald es um geistig-moralische Werte geht.

Allein im Geben – sagt Abd-ru-shin in der Gralsbotschaft – wird das geistige Wissen reicher und stärker: Denn „im Weltall wirkt ein ewiges Gesetz: daß nur im Geben auch empfangen werden kann, wenn es um Werte geht, die bleibend sind! Das greift so tief, durchzieht die ganze Schöpfung wie ein Heiliges Vermächtnis ihres Schöpfers.“ (2)

Auf der anderen Seite kann dieses Gesetz, auch und gerade wenn der Mensch glaubt, es – durch luziferische Gedanken verführt – mißachten zu können, nicht ohne Folgen übertreten werden. Durch das falsche menschliche Denken, das sich nur immer auf das Nehmen konzentrierte und sich noch immer damit einseitig befaßt, ist Disharmonie in die Schöpfung gelangt, die Schönheit nachhaltig gestört und das „Reifenkönnen“ des Menschen unterbunden worden. Damit haben wir viel „zu verantworten und auch zu sühnen!“ (3)

In dieser Hinsicht – das versteht sich von selbst – ist die ausschließliche Flucht ins Gold, kein wirklich gangbarer Weg. Wie im Märchen können wir uns angesichts gravierender Unsicherheiten oder der unbewußt-bewußten Ängste, wir könnten etwas verlieren, das uns lieb und teuer ist, nicht mit Gold und anderen Reichtümern loskaufen. Hier bedarf es anderer Erkenntnisse: Mehr denn je wirft die jetzige Situation Fragen danach auf, welche Werte wirklich bleibend sind!

Literatur:
(1) Konrad Paul Liessmann im Club 2 Diskussionsforum: www.club-2.blog.de
(2) Siehe: Abd-ru-shin, Im Lichte der Wahrheit, Gralsbotschaft, Bd. I, Stuttgart 1990.
(3) Siehe: Abd-ru-shin, Im Lichte der Wahrheit, Gralsbotschaft, Bd. III, Stuttgart 1990.

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